Wellnesshotel-Review: Das Kranzbach reviewed by ohhhsorelaxed.com

Das Kranzbach: Jeden Cent wert?

Es ist eines der besondersten Wellnesshotels Deutschlands – und kinderfreie Zone: Das Kranzbach. Aber hält es auch, was es verspricht? Reiseexpertin Michèle Loetzner redet Klartext.

Von Michèle Loetzner

WELLNESS-HOTEL REVIEW

des

Das Kranzbach

www.daskranzbach.de
82493 Kranzbach, Krün bei Garmisch-Partenkirchen
Bayern, Deutschland

Getestet von

Michèle und Freundin Anja für ein Ohne-Kinder-Wochenende

FAKTEN & ZAHLEN

LAGE: Krün, Oberbayern nahe der österreichischen Grenze, auf 1030 Höhenmetern inmitten einer 13ha großen geschützten Bergwiese
KATEGORIE:
 4 Sterne Superior
ZIMMER: Kommt drauf an, wie man zählt – sagen wir so: genug, dass man angemessen unterkommt, aber nicht so viele Wohneinheiten, dass man sich auf die Nerven geht. In Zahlen: 129 Zimmer und Suiten plus das exklusive Torhaus und das versteckte Baumhaus.
KOSTEN: Im Sommer ab 318 Euro pro Doppelzimmer, im Winter ab 428 Euro (inkl. Superior-Halbpension).
SPA-LIEGEN: 240 innen und 200 außen, also fast doppelt so viele Liegen wie Gästebetten.
SPA: Die reine Innenfläche des Badehauses beträgt 3600 qm. Die Poollandschaft ist in die riesige Bergwiese integriert. Man tritt sich tatsächlich nie nie nie gegenseitig auf die Füße. Besonders fein: das Ladies-Spa. Neu seit Juni 2017: Das 40°C heiße Onsen-Bad im Freien.
WELLNESS-SPECIALS: WaldtherapieDetox-Programme, TCM-Behandlungen, Ayurveda, Yoga, Workshops: u.a. Aerial Yoga, Pilates, Hundebesitzer-Workshops, Meditation.
KINDER: Das Kranzbach ist nur für Erwachsene ab 12 Jahren.

Für wen ist Das Kranzbach geeignet?

Ideal für eine Spa-Auszeit…
… mit Freunden.
… für ein Relax & Ratsch Wochenende mit Freundinnen.
… als Mutter-Tochter-Duo.
… als Paar ohne Nachwuchs.
… für Workaholics, die dringend den Kopf frei kriegen wollen.
… für Yogis.
… für Sportliche – im Sommer und im Winter.
… für Solo-Traveller, die mal ausgiebig schweigen wollen.
… für Hundebesitzer (kann man mitnehmen).
… und natürlich für alle, die eine kinderfreie Zone schätzen.

OHHH… SO RELAXED SKALA

Bei allem volle Punktzahl. Es gibt tatsächlich nirgends auch nur einen Stern abzuziehen!

PREIS-LEISTUNGS-RELAX-VERHÄLTNIS
DESIGN & AMBIENTE
SPA & WELLNESS
KULINARIK
SERVICE
NATUR-IDYLL
LUXUS-FAKTOR
OHHH… SO RELAXED FEELING

DER WEG

Eine absolute Schlüsselqualifikation eines Journalisten ist die Fähigkeit, sich in Leute und Lagen hineinzuversetzen, die man nur aus der Theorie kennt. Das fällt mal leichter, mal schwerer. Auf dem Weg ins Kranzbach scheint es mir unmöglich. Ich kann mich einfach nicht in jemanden hineinversetzen, der die Voralpenlandschaft zum ersten Mal sieht. Das Wellnesshotel liegt in Krün nahe der österreichischen Grenze. Nur wenige Kilometer davon bin ich aufgewachsen: in Murnau. Ich kenne die Gegend also wie die viel bemühte eigene Westentasche und finde sie: booooring. Wie also soll ich jemandem aus zum Beispiel Hamburg die Berge, das tiefgrüne Moos und die saftigen Bergwiesen schmackhaft machen, wenn ich doch jeden Löwenzahn kenne und den Stammbaum der Kühe im Schlaf aufsagen kann? Hm.

Zwei Mütter mit dem Zug ins Wellnessglück

Umso leichter fällt aber die Entscheidung, mit dem Zug dort hinzureisen. Der Routenplaner spuckt von München nach Krün 1.20h Fahrzeitmit dem Auto aus. Der Zug dauert ein bisschen länger: 1h42. Trotzdem gekauft. Weder meine Freundin Anja, die mich begleitet, noch ich sind nämlich in der Verfassung ein Auto zu steuern. Ich habe eine kleine Tochter, Anja gleichalte Zwillinge. Alle drei zahnen. Die Worte „Schlaf“ sowie „Zurechnungsfähigkeit“ sind uns eher fremd.

Während die Bummelbahn also mit uns Richtung Österreich rollt, schalte ich innerlich ab. Kenn ich ja alles, ne. Muss ich ja nicht aus dem Fenster schauen. Ab Eschenlohe dämmert mir aber, dass das ziemlich ungerecht ist. Denn eigentlich ist es hier sehr, sehr schön. Der Zug schlängelt sich an steilen Felswänden entlang und rollt durch dunkelgrüne Wälder. Als Kinder haben wir immer gewitzelt, dass in Krün nie die Sonne scheint. Als wir an Deutschlands höchst gelegenem Bahnhof ankommen, werden wir Lügen gestraft. Die Sonne strahlt. Ebenso unser Fahrer, der uns mit einem Range Rover erwartet. Der Abholservice ist übrigens kostenlos. Das Kranzbach-Team denkt an alles und das wird auch bis zu unserer Abreise so bleiben.

ANKOMMEN

Ein bisschen berauscht von einem Wochenende ganz ohne Babybrei auf der linken Schulter und Schuhabdrücken in Größe 19 auf den Oberschenkeln betreten wir die Lobby. Ein freundlicher Mitarbeiter drückt uns ein Glas Prosecco in die Hand. Selig sinken wir auf eines der weichen Sofas und starren fünf Minuten aus einem der Panoramafenster. Hier drängelt keiner, Zeit bekommt plötzlich eine ganz neue Geschwindigkeit. Würde nicht der Spa-Bereich auf uns warten, wir könnten hier ewig sitzen und schweigend starren.

DAS ZIMMER

Gartenflügel

Teppich ist mein Feind. Ich leide an einer massiven Hausstaubmilbenallergie und kann nach zwei Minuten in einem Hotelzimmer sagen, ob die Matratze alt oder neu ist beziehungsweise, wie lange der Teppich darin schon nicht mehr richtig gereinigt wurde. Die Zimmer des Gartenflügels sind mit Naturholz ausgelegt. Das ist nicht nur sehr geschmackvoll, denn hier handelt es sich nicht um neureichen Landhausstil, sondern mit Liebe zum Detail gewählte, aber schlichte Ausstattung. Es hat auch den Vorteil, dass weder meine Nase läuft, noch meine Augen tränen. Ähnlich geht es mit dem Bett. Bei der Matratze hat niemand gegeizt. Danke dafür. Und damit kommen wir auch zum Motto dieses Wochenendes: „Jeden Cent ist das Wert.“

Das Kranzbach ist auf den ersten Blick nämlich nicht gerade günstig. Gute 450 Euro kostet ein Zimmer pro Nacht. Inbegriffen ist allerdings: alles. Aber dazu kommen wir später noch. Erstmal wickeln wir uns in die flauschigen Bademäntel und tapsen Richtung Spa. Das Handy in der Manteltasche, falls ein telefonischer Hilferuf uns von zuhause ereilt. Zum Beispiel „Wo ist die Matschhose?“ (Da, wo sie immer ist.) oder „Wie viel sind zu viele Riegel Kinderschokolade?“ (Plural, ernsthaft?).

DESIGN & AMBIENTE

Liebe zum Detail in jedem Zimmer

Baumhaus

Das Kranzbach verfügt auch über eine ganz besondere Suite: das Baumhaus. Ich würde mich natürlich liebend gern dort einmieten. Leider liegt das so weit über meinem Budget, dass ich den Horizont gar nicht sehen kann. Die hoteleigene Beschreibung klingt jedenfalls traumhaft: „Ein besonderer Rückzugsort – unser »Kranzbach«-Baumhaus (100 m vom Hotel entfernt – mitten im Wald). Umgeben von Baumwipfeln erwarten Sie 50 m² Wohnfläche und 30 m² Terrasse, aus Vollholz gebaut. Das »Kranzbach«-Baumhaus ist ausgestattet mit einem großen Doppelbett, Wohnecke, Teestation, begehbarer Kleiderschrank sowie einer Badewanne für 2 Personen – mit Blick in den Wald! Die großen Panoramafenster bieten Ihnen wunderbare Aussichten direkt in die Natur. Auf der Terrasse erwartet Sie eine Sitzgruppe und Doppelliegen.“ Tja, im nächsten Leben dann, wenn ich im Lotto gewonnen habe. Es kostet um die 600 Euro pro Nacht. Und vielleicht tatsächlich eher als romantischer Ausflug. Denn in Wahrheit mögen es Anja und ich gerne fußläufig zum Spa und zum Strudelbuffet.

SPA & WELLNESS

Durch den Flüster-Bereich gelangt man zum Badehaus. „Flüster-Bereich“, was für ein schönes Wort. Das Gegenteil von „Bällebad“, „Abenteuer-Spielplatz“ und „Trampolin-Area“. Wir suchen uns eines der gemütlichen Day Beds aus, bevor wir eine der acht Saunen und Dampfbäder benutzen. Sonntags ist der meist frequentierte Tag im Kranzbach, trotzdem verläuft sich alles. Im abgeschlossenen Damen-Bereich gibt es eine Natursauna mit Panoramafenster. Was das ausmacht, wenn eine Sauna keine hölzerne Dunkelkammer ist! Unglaublich! Zufrieden starre ich auf die schneebedeckten Fichtenwipfel.

Das Kranzbach Badehaus

NEU: Das Onsen Bad

Die japanische Badekultur hält Einzug in Bayern: neben dem Hotel Bachmair Weissach am Tegernsee beglückt auch das Kranzbach seit diesem Sommer mit einem 40° C heißes Onsen-Bad seine Gäste. Das Besondere: es befindet sich unter freiem Himmel – mit der wunderschönen Natur als Kulisse.

Das Badehaus im Inneren

Mein persönlicher Favorit sind allerdings weder die Saunas noch die verschiedenen Pools, sondern die Dampfbäder. Mit den wohltuenden ätherischen Ölen, die dem Dampf beigemischt sind, kann ich endlich mal wieder richtig aufatmen. Körperlich wie geistig. Spa ist eben nicht gleich Spa – als Reiseautorin habe ich schon viele besucht, aber das Kranzbach lässt mein sachliches Ich in völlige Lobhudelei zerfließen. Zurück im Day Bed murmelt Anja: „Jeden Cent ist das Wert!“ Ohja!

KULINARIK

Mein zweitliebstes Wort nach „Flüster-Bereich“ ist definitiv „Strudelbuffet“. Ab 15 Uhr werden sowohl im Badehaus als auch in der stilvoll eingerichteten Lounge nahe der Lobby diverse Strudel und Kuchen angeboten. Das klingt jetzt ein bisschen nach Omi-Butterfahrt, damit hat es aber nichts zu tun. Seit einigen Monaten hat das Hotel eine eigene Bäckerei, die die Gäste nicht nur morgens mit frischem Brot und Brötchen versorgen, sondern eben auch mit Strudel und Kuchen. Selbst an gluten- und laktoseintolerante Gäste wird gedacht – auch für sie stehen Leckereien bereit. Mohn- und Topfenstrudel, saftiger Gugelhupf, satter Marmorkuchen. Mmmh!

Regionale Köstlichkeiten

Das Kranzbach hat früh erkannt, dass die Zukunft in regionalen Manufakturen liegt. Zum Dinner gibt es deshalb einen Hirschbraten von einem Jäger aus der Region, Obst und Gemüse kommen von Bauern aus Garmisch-Partenkirchen, Oberammergau und Umgebung, das mehrgängige Menü kann munter durchgemischt und personalisiert werden. Natürlich sind Anja und ich nach einen Glas Wein schon angeschickert. Früher nannte man das einen billigen Rausch, heute euphemisieren wird das kichernd zu „Mutterglück“. Beim Käsebuffet weine ich fast, so umfangreich ist die Auswahl. Auf kleinen Kärtchen wird sogar für Schwangere erwähnt, ob jene diese Sorte essen können oder nicht.

Und darin liegt symbolhaft das Besondere des Kranzbach: Hier wird an jeden gedacht. Eben auch an werdende Mütter, die schwangerschaftsbedingt auf Rohmilchkäse verzichten müssen. Ich gehöre nicht dazu und lade mir eine weitere Portion auf den Teller. Kurz überlege ich, ob die anderen Gäste mich für einen Vielfraß halten. Dann merke ich: Hier nimmt keiner groß Notiz davon, alle sind viel zu sehr damit beschäftigt, sich über das Essen zu freuen.

Ähnlich ist es natürlich auch beim Frühstück. Verrückt, dass ich mich mit meinem übervollen Bauch darauf schon freue, als ich in das großartige Bett sinke. Ja, man könnte jetzt an die Bar gehen und noch einen Absacker trinken. Meine Freundin und ich schlafen lieber. Oh, du süßes Durchschlafen! Bevor ich wegnicke, denke ich mir einmal mehr: „Jeden Cent ist das Wert“.

MICHÈLES FAZIT

Das Kranzbach

Theoretisch ist unser kinderloses Wochenende um 11 Uhr zu Ende, denn da muss man aus dem Zimmer auschecken. Allerdings bietet das Kranzbach an, dass man am Folgetag den Spabereich so lange nutzen kann, wie man möchte. Wir kosten jede Sekunde aus. 24 Stunden haben wir dort verbracht, doch es fühlt sich an als wären wir eine Woche auf einer exotischen Insel am Strand gelegen. Es ist beeindruckend, wie schnell einen das Refugium in den oberbayerischen Bergen entschleunigt.

Im Zug versprechen wir uns, dass wir noch dieses Jahr wiederkommen. Das Kranzbach ist mit Abstand das beste Spa-Hotel Deutschlands, da sind wir uns einig. Ich habe die Gesamtrechnung mit meiner Kreditkarte bezahlt, als Anja mir ein paar Tage später ihre Hälfte überweist, muss ich lachen. Im Überweisungsbetreff steht: „Jeden Cent war das Wert“. Aber hallo!

#letsRELAXbeautifully

Michèle

Fotos: Michèle Loetzner/PR

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