Feel Good Places auf ohhhsorelaxed.com : Ocelot Berlin. Die Wohlfühlbuchhandlung.

Feel Good Place: Ocelot Berlin – der Wohlfühl-Buchladen

Kann ein Buchladen eine Wohlfühloase sein? Ja, findet Ariane, denn bei ocelot Berlin kann sie so herrlich abschalten und frisch inspiriert auftauchen. Was diesen Geheimtipp zu einem unserer Feel Good Places macht, verraten wir euch hier.

Von Verena Seibold

Ja, es gibt sie, diese besonderen Läden, die viel mehr sind, als nur eine Ansammlung von Konsumgütern. Sie sind eine Oase, deren Kostbarkeit man sich sofort bewusst ist, sobald man sie entdeckt hat. Hier werden die Synapsen angeregt, Emotionen geweckt, Interessen geschürt und geweckt und Inspiration geboten. Man fühlt sich auf Anhieb wohl und gut aufgehoben, denn in ihnen menschelt es. Sie bieten einen willkommenen Kontrast zur immer anonymer und unpersönlicher werdenden Online-Shopping-Welt, in der es, bis auf Ware-gegen-Geld-Tausch, zu keiner anderen Interaktion kommt. Das Besondere: diese besonderen Stores schaffen es, ihr einzigartiges Konzept auch Online erlebbar zu machen – für alle, die nicht in ihrer Nähe wohnen. Chapeau! Den Auftakt macht ein ganz besonderer Buchladen in Berlin, den unsere Autorin Ariane Busch sehr gerne und sehr oft aufsucht, wenn sie einen neuen Schub Inspiration braucht oder einfach mal wieder ein ganz außergewöhnliches Buch finden möchte.

OCELOT Berlin

Book Store
Brunnenstraße 181, 10119 Berlin
Online-Shop
www.ocelot.de
Instagram
@ocelotberlin

Trotz Amazon oder vielleicht gerade deswegen gibt es sie, diese einzigartigen Buchhandlungen, die nicht nur mit dem, was sie verkaufen begeistern, sondern mit ihrem Ambiente zum Wohlfühlen, Verweilen und vor allem zum regelmäßigen Wiederkommen einladen. „Not just another bookstore“ prangt passenderweise in Leuchtschrift über dem Eingang der Berliner Brunnenstraße 181, dem zu Hause von ocelot Berlin. Es könnte nicht treffender beschreiben, was im Inneren stattfindet. Durch die großen, feingeistig dekorierten Fensterfronten bekommt man schon eine Vorahnung: warmes Licht dringt nach Draußen. Drinnen sitzen Menschen an großen Holztafeln mit puristischen Blumenarrangements, vertieft in die Bücher vor ihnen und einer Tasse dampfendem Espresso neben ihnen.

Im Vorübergehen könnte man ocelot glatt für ein gemütliches Café halten, wären da nicht die Wände füllenden Bücherregale aus warmem, dunklem Holz. Geht man hinein, wird man vom Duft frisch gebrühten Kaffees angenehm begrüßt. Instinktiv möchte man den Mantel ausziehen. Die Tasche hinstellen. Sich setzen. Bleiben. In ein Buch einlesen. Oder zwei. Einen Plausch mit den aufmerksamen BuchhändlerInnen führen. Einen Espresso aus der La Marzocco Kaffeemaschine trinken. Schmökern. Jede Ecke der 250 qm erkunden und erforschen. Und… sobald wie möglich wiederkommen. Zu einer der monatlichen Lesungen zum Beispiel. Ja, das hier ist wirklich nicht einfach nur ein Buchladen…

Wer steckt dahinter?

Ocelot hat ein Herz. Es heißt Maria. Maria-Christina Piwowarski. Die gelernte Buchhändlerin gehört seit der Gründung des Ladens im Jahr 2012 zum Team und ist seit 2015 die Leitung dieser einzigartigen Wohlfühl-Buchhandlung. Sechs weitere BuchhändlerInnen gehören zur ocelot Familie. Ihre Stärke: Perlen der Literatur abseits der Bestsellerlisten für ihre Kunden zu kuratieren.

Ja, man kann es unbesorgt kuratieren nennen, denn jedes Buch, das bei ocelot Berlin ausliegt, wurde sorgfältig vom familiären Team ausgewählt. „Wir bieten vor allem eine sehr besondere Auswahl an Romanen und Sachbüchern (Philosophie, Geschichte, Feminismus), haben aber auch eine wohl sortierte, stetig wachsende Kinderbuchabteilung. Kochbücher, englische Literatur und Schönes zu (Interior-)Design und Typografie gehören natürlich ebenfalls fest zu unserem Sortiment“, erzählt Maria Piwowarski. Der enge Kontakt zu ihren Kunden und ein reger Austausch mit ihnen – das ist allen im Team wichtig. Daher finden im Schnitt zwei Lesungen pro Monat statt. Zudem treffen sich Interessierte mit dem ocelot-Team alle drei Monate zum offenen Lesekreis.

Die Insta-Welt von ocelot

Auf ihrem sehr ansprechenden und informativen Instagram-Account hält die ocelot-Familie ihre Kundschaft auch online stets auf dem Laufenden – sei es über aktuelle Veranstaltungen, neue Lieblingsbücher oder den Alltag bei ocelot. Dabei wird ein reger Austausch miteinander zelebriert.

Was macht ocelot Berlin so besonders?

ocelot-Leitung Maria-Christina Piwowarski im Interview mit Verena

Liebe Maria, „Not just another bookstore“ leuchtet über dem Eingang von ocelot Berlin. Was erwartet Kunden bei euch, das sie woanders nicht bekommen?

Wir legen großen Wert auf ein Sortiment, das man nicht in jeder anderen Buchhandlung findet. Unsere Buchauswahl darf bereits als Empfehlung verstanden werden. Wir KollegInnen lesen alle wirklich enorm viel, doch uns eint, dass unsere literarischen Perlen meist abseits der großen Bestsellerlisten liegen. Wir wollen die LeserInnen überraschen und mit besonderen Geschichten oder besonders schön gestalteten Ausgaben (gern übrigens aus unabhängigen Verlagen) dazu einladen, auch die Bücher zu entdecken, die nicht mit großen Marketingkampagnen beworben werden. Zudem finden KundInnen gleich, wenn sie unsere Buchhandlung betreten drei große Tische, an denen sie in aller Ruhe in die Bücher reinlesen können. Vorzugsweise mit einem exzellenten Espresso aus unserer La Marzocco Siebträgermaschine.

Wenn ocelot Berlin ein Gefühl wäre, wie würdest du es beschreiben?

Ich denke, es wäre vor allem warm, holzwarm, papierwarm, leinenbuchrückenwarm. Und ganz sicher wäre es meerwasserklar und gleichzeitig undurchdringlich dschungeldickichtüberraschend. Für mich ist ocelot, ein zweites Zuhause (und das ist keine Phrase) und es löst in mir gleichsam das selige Gefühl einer vollbeschriebenen Buchseite aus, wie die abenteuerlustige Freiheit eines vollkommen leeren Blatt Papiers.

Was liegt dir und deinem Team in Bezug auf Philosophie und Konzept von ocelot am meisten am Herzen?

Dass wir ein lebendiger Ort der Literaturvermittlung sein wollen ist uns sehr wichtig. Dazu gehört, dass wir wirklich liebend gern KundInnen beraten und es für uns nichts Schöneres gibt, als das Funkeln in den Augen eines Menschen der oder die gerade mit genau dem richtigen Buch unseren Laden verlässt. Wir möchten gute Literatur fördern, egal ob als gebundenes Buch oder digital, ob direkt im Laden oder virtuell auf unseren Kanälen. Wir veranstalten mit Aufwand und Leidenschaft Lesungen und einen Literaturkreis, fühlen uns aber an jedem einzelnen Tag als ein Ort der Begegnung und des Austausch über das, was uns alle vereint: Die Liebe zum guten Buch.

Wie schafft ihr es, euer Konzept auf euren Online-Shop zu übertragen?

Wir haben in der ocelot-Geschichte seit 2012 ja mit diversen Online-Shop-Systemen experimentiert. Sei nunmehr drei Jahren sind wir aber sehr glücklich mit unserem Genialokal-Onlineshop, der es nicht nur ermöglicht, dass KundInnen sich im Laden vorrätige Bücher direkt reservieren lassen können, sondern über frei bespielbare Tools auch dazu beiträgt, dass wir mit geringstem Aufwand vieles individuell gestalten können. Dort können wir schreiben, was uns an ocelot wichtig ist, wer genau alles zu unserem wachsenden Team gehört, welche Veranstaltungen wir planen und vor allem, welche Bücher uns zuletzt am meisten beeindruckt haben. Sehr hilfreich für den letzten Punkt sind auch unsere Social-Media-Kanäle. Wir wollen unsere Leidenschaft für gute Bücher teilen, über die schönen Wände unserer Buchhandlung hinaus.

Was war bisher das besonderste und dich am meisten bewegendste Erlebnis bei ocelot?

Das ist echt sehr schwierig, weil es davon ungelogen ganz viele gab und weiterhin gibt. Eine unserer ersten Lesungen war zum Beispiel aus der von Felix Gephart grandios illustrierten Neuausgabe „Und Johnny zog in den Krieg“ von Dalton Trumbo vom Berliner Onkel & Onkel Verlag. Als Axel Hartwig begonnen hat, die Stelle zu lesen, in der der verwundete Joe Bonham im Krankenhaus zu sich kommt und bestürzend langsam realisiert, dass er seinen Arm verloren hat, hat der komplette Laden Rotz und Wasser geheult.

Es gibt immer wieder Lesungen und Veranstaltungen (allen voran der Indiebookday im März eines jeden Jahres), die so großartig und besonders sind, dass wir uns danach selig zuprosten und unendlich verliebt ins Leben sind. Aber eigentlich sind es (wie immer) die kleinen Dinge: Menschen, die lange nicht mehr gelesen haben und dann in besonderen Beratungsgesprächen wieder Lust auf Literatur bekommen. Am Anfang vielleicht ein schmales Büchlein, ein zarter Versuch, Wenn diese Menschen dann wieder kommen und selbstbewusst mit einem großen Stapel unterm Arm zur Kasse kommen, weil sie wissen, dass Bücher (wieder) einen festen Platz in ihrem Leben haben, dann ist das das ganz große Glück. Das ist das Gefühl, für das wir jeden Morgen frohgemut aufstehen. Weil wir wissen, dass wir in einen Laden gehen können, der all das möglich macht.

Der ocelot Online Bookstore

In den Genuss der sehr persönlichen Welt von ocelot kann man auch Online kommen: neben stetig aktuellen Empfehlungen des Teams, hat man sogar beim Webauftritt die Gelegenheit jeden einzelnen davon etwas näher kennenzulernen, Zudem findet man Infos zu anstehenden Veranstaltungen. Und klar, man kann alle Bücher, online bestellen – entweder, um sie in der Buchhandlung persönlich abzuholen, oder sie klassisch per Post (portofrei) nach Hause geschickt zu bekommen.

Marias Top 5 Buchempfehlungen für euch

1. The Bathroom Chronicles von Friederike Schilbach

„Eines der Bücher, das mich unermüdlich beglückt und mir jedes Mal beim Durchblättern enorm gute Laune macht, sind die „Bathroom Chronicles“ von Friederike Schilbach. 100 tolle Frauen haben hier in 100 Bildern und 100 Geschichten kleine Einblicke in ihre Badezimmer gewährt, diesen unterschätzten Zauberraum, in dem wir morgens den Tag an- und abends wieder ablegen.  Was als Geschichte unter Freundinnen begann, ist zu einer grandios inspirierenden Sammlung geworden. Ein Lieblingsbuch, das ich sofort meinen besten Freundinnen schenken musste und in dem ich, wie im Badspiegel, jeden Tag etwas Neues entdecke.“

2. Stadt aus Rauch von Svealena Kutschke

„Das Buch, das mich im letzten Jahr am meisten gebannt und am stärksten beeindruckt hat, ist „Stadt aus Rauch“ von Svealena Kutschke. In einer zum Niederknien betörenden, aber messerscharf präzisen Sprache erzählt die Autorin darin einen neuen Jahrhundertroman aus Lübeck. Während Thomas Mann sich in den „Buddenbrooks“ dem Großbürgertum widmete, beleuchtet Kutschke das Leben in den Hinterhöfen, das Leben im Verborgenen. Drei Frauengenerationen einer Familie erzählen hier eine Geschichte, die packend ist und mitreißend und lebendig und wundersam; eine Geschichte, die auch unsere ist. Ich benutze das Wort höchstens einmal alle drei Jahre, aber hier ist es absolut angebracht: „Stadt aus Rauch“  ist ein Meisterwerk.“

3. Zuhause von Daniel Schreiber

„Was ist eigentlich „Zuhause“ und warum tragen viele von uns eine so unbestimmte Sehnsucht danach mit sich? Wofür stand dieser Begriff früher und wie hat er sich im Laufe der Zeit verändert? Daniel Schreiber gehört für mich zu DEN Entdeckungen der jüngsten Zeit. In seinem wunderbaren Essay „Zuhause“ spürt er nämlich genau diesen Fragen nach. Im besten Stil von zum Beispiel Susan Sontag oder Joan Didion, gelingt es Daniel Schreiber grandios, politisch UND persönlich zu schreiben. Er eröffnet uns ein Gesprächsangebot, er lädt uns schon beim Lesen zum Selbstdenken ein. Ein Buch, das uns alle betrifft. Und das uns alle herzensklüger macht.“

4. Kirchberg von Verena Boos

„Eine Frau auf dem Weg zu sich selbst, nachdem sie das verloren hat, was ihr am wichtigsten war: ihre Sprache. Verena Boos hat mich mit „Kirchberg“ unendlich überrascht. Die Protagonistin Hannah zieht sich nach einem Schicksalsschlag in das Haus ihrer Großeltern zurück, in dem sie, von der Mutter verlassen, einst aufwuchs. Hier hatte ich eine Geschichte des Haderns oder des Leidens erwartet, doch Verena Boos feiert in diesem Buch nicht weniger als das Leben und die Liebe und die Menschen, die wir uns aus freien Stücken zur Familie wählen – Freunde! Es gibt Figuren aus Büchern, die weit über das Lesen hinaus in unseren Köpfen bleiben. Hannah gehört dazu.“

5. Stay for Breakfast von Simone Hawlisch

„Stay for breakfast“ ist viel mehr als ein Kochbuch zur schönsten Mahlzeit des Tages. Simone Hawlisch erzählt in ihren wunderschönen Fotos Geschichten weit über ihre fantastischen Rezepte hinaus. Ihre Freude am Schönen ist selbst im kleinsten Detail zu spüren und trotzdem besticht alles durch natürliche Eleganz und fröhliche Umkompliziertheit. Die Rezepte zeigen vom Picknickfrühstück übers mondäne Frühstück für viele Gäste bis zum Katerfrühstück eine wunderbare Vielfalt und machen Lust darauf, zum Frühstück zu bleiben, vor allem aber auch, zum Frühstück einzuladen und den Morgen kulinarisch zu feiern – egal um welche Uhrzeit, für sich selbst, den Liebsten oder die Liebste, eine ganze waffelhungrige Kinderbande oder einen langen Tisch voller Freunde. Ein Buch für alle, die schöne Dinge lieben.“

#letsRELAXbeautifully

Verena & Ariane

Teilt mit uns eure Feel Good Places! Ich freu mich auf eure Empfehlungen an Verena@ohhhsorelaxed.com.

Fotos: Maria-Christina Piwowarski, Ralph Bergel, Philipp Wolff, Simone Hawlisch

Instarelax